Februar – Kolumne „Winterfreuden“

„Winterfreuden“ (von Andrea Urank)

„Alles für die Katz“ dachte sich Kathi Katzenberger, als sie wieder mal an einer ihrer morgendlichen Yoga-Positionen scheiterte, die die nette Dame von der Yoga-DVD mit Leichtigkeit und einem etwas künstlich aufgesetzten Kaugummilächeln vormachte.

Es ist Donnerstag, 8:15 h. Das neongelbe, hautenge Yogakostüm der virtuellen Lehrerin blendet meine unausgeschlafenen Augen und ich sehne mich nach, -genau- den 1. Kaffee!

Warum tu ich mir das an? Nur weil alle – ok –  ich korrigiere, zumindest – alle meiner schlanken Büro-Kolleginnen, derzeit diesem Trend-Sport nachgehen? In dem Moment erfasst ein unvorteilhaftes Gähnen meine noch müde Gesichtsmuskulatur und ich versäume Position 3 meines Morgendlichen Sonnengrußes.

Gerade bei Position 4, die besonders kompliziert ist, blendet mich erneut das neongelbe Outfit. Ich hoffe in diesem Augenblick nicht vollständig  zu erblinden und bereue bereits die Entscheidung der DVD um 4,90 Euro statt die mit dem schönen Cover und  in angenehmen erdfarben gehaltenen DVD  um 19,90,- erworben zu haben.  Die darauf abgebildete Lehrerin bzw. das Cover-Modell war eindeutig von der Marke: spirituell und nicht billige 80ger Jahre-Aerobic Queen gewesen.

Wie blöd bin ich gewesen: „Schlank mit Cindys Yoga-Workout in 5 Minuten“ hat sich einfach viel besser angehört als „Yoga, der stetige Weg zu einem langen, erfüllten Leben.“

Erstens will ich meinen Körper nicht weiter (er)füllen und ein kurzer Weg zum Erfolg schien mir zu diesem Zeitpunkt viel effizienter als langes Dehnen, Kasteien, Verknoten und lebenslanges „leiden“.  Oder hatte ich da etwas falsch verstanden?  In Gedanken verloren, achtsam im Moment und mit meiner Umgebung eins, lass ich meine Knie, ups, etwas unelegant auf die Matte plumpsen (hätte Position 5 werden sollen), als ein wolliges flauschiges Etwas verhindert, meinen etwas zu er- bzw. gefüllten Bauch weiter auf die Matte zu bringen.

Mist, genau die Figur die ich als einzige schon auswendig kann, findet – bebleitet von einenm vorwurfsvollen MiiiiiiiaaaaaaAAAuuuuuu ein jähes Ende. Als sich dann noch das penetrante Kikerikiee  meines Handyweckers synchron dazuschaltet (mein Exfreund fand diesen Ton witzig), findet jegliche Versuch einer Meditation bereits um 8:20 an diesem Morgen ein jehes Ende.

„Naja für den ersten Versuch doch trotzdem ganz gut, Kathi oder?.“ Sage ich zu mir selbst.

Ich zwinkere verschmitzt meiner geliebten Katze Kleopatra zu, die sich, genüsslich zu strecken beginnt. Ich denke sofort an die beiden Weisheiten, die ich neulich in der Bibliothek über Katzen gelesen habe:

„Hast du ein Problem, frag eine Katze um Rat, weiß die Katze keinen Rat, ist es auch kein Problem.“

(Weisheit eines Unbekannten)

und

„Wenn die Katzen sprechen könnten, würden sie schweigen“ (Porter Nan)

„Super, sehr weise! Du bist mir ja eine große Hilfe Kleopatra! …und genau dir hab ich immer alles anvertraut mit der Hoffnung, dass du mich verstehst, Verräterin!“  Kleopatra rollt sich sichtlich unbeeindruckt von rechts nach links und beginnt so inbrüstig zu schnurren, dass sogar mein noch nicht ganz korrekt montiertes DVD-Regal gefährlich zu schwanken beginnt. „Peter hätte das ruhig noch erledigen können, bevor er wieder in die unendlichen und rätselhaften Weiten der Männderwelt verschwunden ist.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei meinem nächsten Date wieder ein handwerklich begabtes Exemplar kennenlerne, ist wohl eher gering. Naja, was früher ein cooler Cowboy war, ist heute ein virtueller Held, Facebooker oder Webdesigner, je nach gewünschtem Modell alles bereits online verfügbar. „…aber gibt es noch einen richtigen Mann?“   

….hmmmmmm  

Es folgt langes meditatives Schweigen, das mich zu meiner Freude mehr beruhigt als es diese seltsame DVD je geschafft hätte.

…und dass Katzen Gedanken lesen können, glaube ich jetzt auch nicht mehr….  sonst würde Kleopatra nicht schnurernd auf meinem Schoss liegen sondern mich angesichts meiner gemeinen Gedanken gegenüber Katzen und Männern (sie mochte meinen Ex-Freund mehr als mich!) sicher verachten. 

Gut, wenigstens bin ich dank des Schnurrens und meiner zufälligen Gedanken-Pause sichtlich entspannt.

„Wahnsinn!   Das muss das Nirvana sein….“ es kommen einfach keine neuen Gedanken mehr nach!   Nur ich & Kleopatra ganz im Hier und Jetzt, im Moment!

Nachwort:

Meine Chefin war mässig begeistert, als ich ihr erklärte, dass ich aufgrund meines ersten Nirvanas ganz auf die morgendliche Besprechung, die ja bekanntlich jeden Donnerstags stattfindet, vergessen habe. Doch durch die Ruhe, die ich ausstrahlte und vier geniale Ideen später, war ich schnell wieder ihre Lieblingsmitarbeiterin, was mir sofort missgünstige Blicke von meinen viel zu dünnen Kolleginnen bescherte.

Ich muss Ihnen unbedingt auch eine Katze als Haustier empfehlen. Das macht deutlich gelassener und zufriedener als günstige Yoga-DVDs!

Fortsetzung folgt : ) …

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Dao Yin Yoga  

Es gibt viele natürliche Bewegungen, für die wir uns viel Zeit nehmen. Wie eine Katze bzw. Tiere sich intuitiv strecken, lernst du genau herauszufinden, welche Bewegungen die in welchen Alltagsmomenten  gut tun!   

Bild: Sonnengruß von Marion KK

 

Dao Yin Yoga Kurs im Glücksraum        Dao Yin Yoga Workshop